Hier stehe ich in Watthosen kurz vor der kleinen Schleuse im Bach und versuche, mit der Zeit angestautes Geäst und verhangene Blätter wieder in Fluss zu bringen.

„I wandered lonely as a cloud and all at once I saw a crowd – a host of dancing Daffodils“

PETRIS WEG

So plötzlich wurde der einsame Wanderer William Woodsworth zum glücklichen Bewunderer eines scheinbar in der wilden Natur abrupt auftauchenden Blumenbeetes. Im Erlkönig lügt der Vater seinem fiebrigen Sohn die lockenden Töchter zu grauen Weiden zurecht. Einer wird im Schwarzwald unter bedrohlichen Geranienkästen groß. Wehe, wenn sie nicht schriller und üppiger blühen, als die der besser düngenden Nachbarin. Ein Anderer wartet bis ins Mark erschüttert unter den traurigen Zweigen eines Ficus Benjaminis auf Ämtern oder einfach am Bettrand. Was ist an den Pflanzen? In den Hecken? Unter den Bäumen? Im Moos? Was ist da los? Was wächst da, was uns so tief rührt?

 

Das lässt sich erwandern, auch wenn es schnöde scheint, wie Fontane in der Mark Brandenburg, die sich bis in die Hinterhöfe Lichtenbergs dehnt.

 

Das Lied, die Komposition der bewurzelten Welt, das Geworfene, die unvergleichlich lässige Art, wie jenes Veilchen im Moose, das neben einer uralten, am Rande des Weges vergammelnden Ahorn dahin wächst, genau so wie es der vielzitierte Herrgott dahinnschmiss, scheint oft wie ein herrlich durchdachter grafischer Akt. Wieviel Rad legt die Horde sommerlicher fahrig Furchen pflügende Touristen fest? Wieviel einfach nur der Wind. Letztendlich ist das eben egal.

 

Das Schöne ist das Gras, in dem wir noch im Juli lagen, oder der kühle Frieden im Späthochsommer, bei der Rast in einem moosigen Buchenhain oder die üppige Freude beim Betrachten eines verlotternd erscheinenden, dennoch pralle Früchte tragenden Tomatenbeetes oder die grazile Eleganz eines Gänseblümchens zwischen zwei Waschbetonplatten. In den Bankentürmen scheinen Wände sich nun schier selbst zu begrünen und es fallen die Reissäcke in China in utopischsten Gartenmetropolen, um die schaffenden Massen gegen die selbst zum Jagen getragene Wüste zu schützen.

Petris Garden nun ist das Gärtnern zwischen Freunden und Frohen. Respektvoll, mit Neugier und Freude an dem, was Pflänzchen zusammen so reden, in ihrem Spiel zwischen Wachsen und Vergehen, zwischen Blühen und Wuchern.

 

Ein Stück Kosmos so wie es wo geschaffen wurde. Jenseits von romantischer Pathetik. Ein Stück der nahen Natur in die kleinen Parzellen des verschatteten und dennoch ja so hart erkämpften, herbeigesehnten oft leeren Teils der meist leicht verödeten Balkonen, Brachen, Wegen zu ziehen.

 

Petris Garden ist impulsive Lust am Wachsenlassen der Pflanzengesellschaften – direkt aus dem nahen Wald in das Heim getragen.

 

Das klingt zunächst gefühlig und ist es ja auch, denn der Garten wird immer wieder neu zum lebendigen Bild, das tatsächlich schön rühren soll. Was das heißt, wird anhand von vier gärtnerischen Prinzipien bebildert und skizziert, konkret beschrieben. Wie aus einer vergessenen Ecke ein Stück ersehnte Natur, ein kleines bisschen Schmetterling und eine lustige Erntehochzeit den Bepflanzten beglücken könnte, das ist die Mission, deren Ausgang auf das Allerlebendigste eben herrlich ungewiss ist.

PETRIS GARDEN IST NATUR DAHIN ZU BRINGEN WO BISHER NICHTS WÄCHST

Ich bin Thomas Petri. Ich liebe es, über das Großartige und Furchterregende, was jedem Wachsen inne wohnt, bei meinen Wanderungen durch die Natur zu sinnieren. Die absolute Perfektion, die uns bei einer Pflanze niemals NICHT erschreckt, sondern Staunen macht und ihr „ Hierbinicherstmal“ was uns ein wenig Mut gibt, nicht zu schnell zu gehen, fasziniert mich zutiefst. Einmal beim Spazieren im Wald lernte ich Rudi kennen und im Gespräch meinte er:

„Ich hab einen eigenen Wald, kommst du mich mal besuchen?“

 

Ich nahm die Einladung an und ging zu Rudi und als ich in seinem Wald, der absurderweise in der Lüneburger Heide ist, und da eine Heide ja kein Wald ist und Rudis Rhododendren in der Heide im Wald wuchsen, war ich sehr überrascht, wie anders alles wie und wann zusammen wachsen kann. Ob das schön oder gut oder auch Sinn macht, trieb mich zunächst nicht um. Ich lernte so viel darüber, was es heißt einen Wald zu haben, weil man ihn ja nicht hat. Ich lernte was so ein Wald alles muss und sein soll: Sehnsuchtsort, Wandertraum und Wirtschaftswunder. Hingabe und ein Haufen körperliches Schaffen und immer wieder neue Erfahrungen und das ist Gärtnern egal wo und eben die Erkenntnis, dass der Wald ein Garten und jeder Garten ein Wald ist.